Im Laufe der Geschichte haben sich viele verschiedene Arten von Graffiti entwickelt, die allerdings oft auch schwierig sind zu unterscheiden. Die vielen Formen und Darstellungen haben sich durch Abgrenzung, Techniken und durch die eigenen Fähigkeiten verändert und so gibt es heute neben vielen individuellen Stilen auch größere Stil-Richtungen, die nun auch nachfolgend im Text kurz erläutert werden.
Style-Writing
Die heute am weitesten verbreitet Form des Graffiti ist das Stlye-Writing/Graffiti-Writing oder einfach nur kurz Writing. Writing wird aufgrund seiner Omnipräsenz am stärksten auch von der Gesellschaft wahrgenommen. Ziel ist es beim Writing, durch Schrift (meistens der Name, beziehungsweise das Pseudonym) und in Kombination mit individueller Gestaltung, Bekanntheit zu erlangen. Diesen Ruhm (Fame) kann der Writer allerdings nur erlangen, wenn er neben der Quantität seiner Graffiti auch ästhetisch malt und somit seinen eigenen Style hat.
Interessant ist auch, dass in der Hip-Hop-Szene das Writing als gewaltfreier Wettstreit ausgetragen wird. Konflikte können so auf künstlerischer Ebene in einem Battle gelöst werden. Diese friedliche Writing-Kultur hat sich in der letzten Zeit immer mehr etabliert. So ist auch der weltgrößte Writing-Wettbewerb „Write4Gold“ entstanden, der auf internationaler Eben ausgetragen wird.
Writing darf man also nicht mit gewaltbereiter Gang-Kultur verwechseln. Allerdings gibt es auch hier Writer, die Hoheitsansprüche stellen und einfach Writings übermalen, um ihr Gebiet zu verteidigen.
Scratching
Scratching, zu deutsch Kratzen, ist eine Protest-Reaktion der Writer auf verstärkte Reinigungsmaßnahmen in der letzten Zeit. Hier werden keine Farben benutzt, sonder mithilfe von Steinen, Sandpapier, sowie Messern Kratzer in Glas oder Plastikoberflächen geritzt. Dadurch soll gewährleistet sein, dass die Writing-Tags länger erhalten bleiben. Etymologisch betrachtet kommt diese Form des Graffiti der ursprünglichen Bedeutung uns Stil-Art am nächsten.
Etching
Neben dem Writing und dem Scratching hat sich auf eine verschärfte Form von Graffiti-Zeichnung ausgebreitet. Das Etching, was so viel bedeutet wie Ätzen, ist das Ätzen mit Säure in Oberflächen, um, ähnlich wie beim Scratching, ein schnelles Entfernen fast unmöglich machen. Allerdings sollte man hier bei immer beachten, dass es eine gesundheitsgefährdende Gestaltungsart ist.
Ganggraffiti
In den USA ist diese Graffiti-Form schon seit den 1930er-Jahren bekannt und hat ihre Hochburg in Los Angeles. Anders als bei den Punkten davor, dient das Ganggraffiti hauptsächlich als gezielte Reviermarkierung der Banden und dienen zeitgleich auch als Warnung für andere Gangs, dass sie „feindliches“ Gebiet betreten. Beim Ganggraffiti wird, gegensätzlich zum Writing, kein Wert auf Ästhetik gelegt und auch nicht mit Bildern und Dekoration versehen.
Das Übermalen und Verunstalten von Ganggraffiti durch Mitglieder andere Gangs, sowie das Sprühen in „feindlichem Hoheitsgebiet“, wird manchmal auch bewusst eingesetzt, um einen Bandenkrieg anzustiften.
Pixação
Die spezielle Form der Graffiti-Gestaltung geht bis ans Ende der 1970er Jahre zurück und hat seinen Ursprung in São Paulo. Die Künstler (Pixadores) stammen meist aus den sehr armen Vororten der Millionen-Metropole. Sie haben meist nur noch ihr Leben zu verlieren und daher wagen sie sich in immer extremere Höhen, um ihre Schriftzüge anzubringen. Die oft mannshohen Zeichnungen sind überwiegend Frakturen, Runen, aber auch figürliche Darstellungen.
Ultras-Graffiti
Ultras-Graffiti sind den Ganggraffiti sehr ähnlich, da es Fußballfans sind, die ihre besuchten Orte mit Schriftzügen markieren. Die Zeichnungen sind tendenziell eher anspruchslos und dienen nur reinen Markierung, denn nicht selten sind die Fans der verschiedene Mannschaften untereinander verfeindet. In den Heimatorten der Fußballmannschaften findet man allerdings auch aufwändigere Wandmalereien mit Elementen der Streetart.
Streetart
Streetart ist englisch und bedeutet Straßenkunst. Der Begriff umfasst Graffiti, Stencils, Sticker, Plakatierung, sowie Installationen im öffentlichen Raum, die nicht mit dem Writing-Stil zu verwechseln sind.
Die Streetart-Künstler benutzen die verschiedensten Mittel, wie Marker, Pinsel, Malerrollen, Sprühdosen, Aufkleber, Poster, usw.. Als „Leinwand“ wir bei der Streetart eigentlich aller benutzt, was man sich vorstellen kann: meistens Wände und Stromkästen, aber auch Laternen, Verkehrsschilder, Telefonzellen, Mülleimer, Ampeln und andere Möbel in der Stadt. Sogar Bürgersteine, die Straße selbst und auch Bäume können als Untergrund herhalten.
Stencil/Pochoir
Bei dieser Graffiti-Methode wird eine Schablone erstellt, durch welche dann Farbe durch gesprüht werden kann. Oftmals werden mit dieser Methode Plakate von Politiker und generell politische Symbole und gesellschaftskritische Motive besprüht.
Graffiti auf Plakaten/Adbusting
Sehr weit verbreitet und auch schon sehr lange praktiziert ist die Methode, Graffiti auf Plakate zu malen, besonders wenn Personen auf diesen dargestellt sind. All-Time-Favorites sind dabei immer die guten alten Bärte, Hörner und Brillen – insbesondere zu Wahlkampfzeiten.
Eine spezielle Form des Plakatgraffiti ist das Adbusting, eine Kritik an der Konsumgesellschaft, den irrealen Bildwelten der Werbefotografie und der von den Adbusters kritisierten „visuellen Umweltverschmutzung“ durch Plakate, da man sich so der Werbung nirgends mehr entziehen könne. Adbusters verfremden, überkleben und gestalten die Plakatwerbung, um den Sinn umzudrehen oder sich lustig zu machen. Häufig kommen die Künstler aus der Streetart-Szene und sind eine Art Kommunikationsguerilla.
Politische Graffiti
Die eher künstlerisch anspruchslosen Graffiti sind hauptsächlich dazu da, politische Ansichten und Kritik an Obrigkeiten anonym loszuwerden. Die Hauptthemen sind unter anderem Ideologie, religiöse Ansichten, Rassismus und auch Diskriminierung von Minderheiten, wie auch Homosexuelle, des Weiteren auch die politischen Machtverhältnisse durch Staat und Polizei. Um besonders viele Menschen mit der eigenen Meinung zu erreichen, werden politische Graffiti häufig an stark frequentierten und gut sichtbaren Orten angebracht.
Klograffiti
Der Begriff Klograffiti beschreibt sämtliche Kritzeleien, wie zum Beispiel Gedichte, Reime, Sprüche, Witze, Liebesbotschaften, Karikaturen und Zeichnungen, aber auch nur das Hinterlassen des bloßen Namens auf öffentlichen Toiletten. Die Sprüche haben philosophische, humorvolle aber auch sexuelle Inhalte und können auch an anderen öffentlichen Orten, wie stark frequentierten Sehenswürdigkeiten, Gefängnissen und Jugendherbergen zu finden sein. Im weiteren Sinne zählt auch das Ritzen von Herz und Namen in Baurinde als Klograffiti.
Zinken
Seit dem 16. Jahrhundert gibt es Zinken. Diese werden von Gaunern, Landstreichern oder auch dem fahrenden Volk an öffentlichen Orten angebracht und dienen als Geheimsprache mit Gleichgesinnten. Sie sollen über die örtlichen Gegebenheiten informieren.
Reverse Graffiti
Anders als bei Graffiti, wird beim Reverse Graffiti eine schmutzige Oberfläche mit Wasser, Seife, Bürste oder Hochdruckreiniger gereinigt und somit Muster und Schriften in den Dreck gespült. Writer aber auch Streeartists nutzen diese Form des Graffiti, aber auch immer mehr Privatleute und die Industrie nutzt diese Form des künstlerischen Ausdrucks, da man mit dieser bisher das Gesetz noch umgehen kann. diese bisher noch vom Gesetz umgangen werden kann.
LED-Throwies
Technik sei Dank braucht der moderne Graffiti-Künstler keine Farbe mehr. Batteriebetriebene Leuchtdioden werden an Magneten befestigt und dann auf metallene Oberflächen, meist in größerer Höhe, geworfen. Konkrete Inhalte oder Bilder lassen sich so nicht kreieren, dafür halten die Batterien rund zwei Wochen. Auch mit dieser Graffitiform, die rückstandslos entfernt werden kann, begibt man sich, auch auf mit Blick auf die Gesetzgebung, auf der sicheren Seite.
Grundsätzlich werden so gut wie alle Oberflächen besprüht oder bemalt, die sich in irgendeiner Weise dafür eignen, so wie Hausfassaden, Stromkästen, Brücke, Unterführungen, Züge, Schallschutzwände, Bauwagen, Busse, LKW und auch Verkehrsschilder.
Besonders in der Writing-Szene erreicht man ein höheres Ansehen, wenn man sich Stellen aussucht, die nur schwer zu erreichen oder zu bemalen sind. So haben beispielsweise eine, auf einem Hausdach befindliche Wand, ein ganzer Zugwagon, ein Einsatzfahrzeug der Polizei eine höhere Reputation, als eine Straßenunterführung. Gemessen wird aber auch die Qualität, sprich die Sauberkeit, der Stil, die Kreativität. Denn nur Quantität alleine reicht nicht für ein gehobenes Ansehen in der Graffiti-Szene. Eines der berühmtesten Objekte, die je durch Graffiti gestaltet wurden ist zweifelsfrei die Berliner Mauer.