Was ist eigentlich ein Graffiti?

07. Juli 2009

Als Graffiti bezeichnet man handgemalte und selbst angebrachte Bilder und Schriftzüge auf öffentlichen Wänden, Hausfassaden und anderen Flächen im nicht privaten Raum. Im Laufe der Zeit haben sich eine Vielzahl von Graffiti-Arten entwickelt, die auf lokaler, politischer, kritisierender oder einfach nur künstlerischer Absicht beruhen.

Genau dies ist auch die Grauzone zwischen Kunst und Vandalismus, die die Gesellschaft scheidet. Das Gesetz allerdings bezieht eine klare Stellung: Graffiti, die illegal an die Wand gebracht wurden können als Sachbeschädigung geahndet werden und zu einer Schadenersatzpflicht führen.

Woher kommt eigentlich der Begriff Graffiti?

07. Juli 2009

Die Namensgebung lässt sich aus dem Italienischen, sowie aus dem Alt-Griechischen herleiten. Das italienische Wort „graffito“ bedeutet Schraffierung, also eine Inschrift oder Dekoration, die in Stein geritzt ist. Die Plural-Form von diesem Wort ist „graffiti“. Das griechische „γράφειν“ (graphein) bedeutet schreiben.

Im deutschen Sprachgebrauch ist die Singular-Form Graffito nur selten anzufinden und so wird oft von „einem Graffiti“ gesprochen und, daraus abgeleitet, der Plural mit einem „s“ versehen. Umgangssprachlich also „ein Graffiti“ und „zwei Graffitis“.

Welche Formen gibt es eigentlich von Graffiti?

07. Juli 2009

Im Laufe der Geschichte haben sich viele verschiedene Arten von Graffiti entwickelt, die allerdings oft auch schwierig sind zu unterscheiden. Die vielen Formen und Darstellungen haben sich durch Abgrenzung, Techniken und durch die eigenen Fähigkeiten verändert und so gibt es heute neben vielen individuellen Stilen auch größere Stil-Richtungen, die nun auch nachfolgend im Text kurz erläutert werden.

Style-Writing
Die heute am weitesten verbreitet Form des Graffiti ist das Stlye-Writing/Graffiti-Writing oder einfach nur kurz Writing. Writing wird aufgrund seiner Omnipräsenz am stärksten auch von der Gesellschaft wahrgenommen. Ziel ist es beim Writing, durch Schrift (meistens der Name, beziehungsweise das Pseudonym) und in Kombination mit individueller Gestaltung, Bekanntheit zu erlangen. Diesen Ruhm (Fame) kann der Writer allerdings nur erlangen, wenn er neben der Quantität seiner Graffiti auch ästhetisch malt und somit seinen eigenen Style hat.

Interessant ist auch, dass in der Hip-Hop-Szene das Writing als gewaltfreier Wettstreit ausgetragen wird. Konflikte können so auf künstlerischer Ebene in einem Battle gelöst werden. Diese friedliche Writing-Kultur hat sich in der letzten Zeit immer mehr etabliert. So ist auch der weltgrößte Writing-Wettbewerb „Write4Gold“ entstanden, der auf internationaler Eben ausgetragen wird.

Writing darf man also nicht mit gewaltbereiter Gang-Kultur verwechseln. Allerdings gibt es auch hier Writer, die Hoheitsansprüche stellen und einfach Writings übermalen, um ihr Gebiet zu verteidigen.

Scratching
Scratching, zu deutsch Kratzen, ist eine Protest-Reaktion der Writer auf verstärkte Reinigungsmaßnahmen in der letzten Zeit. Hier werden keine Farben benutzt, sonder mithilfe von Steinen, Sandpapier, sowie Messern Kratzer in Glas oder Plastikoberflächen geritzt. Dadurch soll gewährleistet sein, dass die Writing-Tags länger erhalten bleiben. Etymologisch betrachtet kommt diese Form des Graffiti der ursprünglichen Bedeutung uns Stil-Art am nächsten.

Etching
Neben dem Writing und dem Scratching hat sich auf eine verschärfte Form von Graffiti-Zeichnung ausgebreitet. Das Etching, was so viel bedeutet wie Ätzen, ist das Ätzen mit Säure in Oberflächen, um, ähnlich wie beim Scratching, ein schnelles Entfernen fast unmöglich machen. Allerdings sollte man hier bei immer beachten, dass es eine gesundheitsgefährdende Gestaltungsart ist.

Ganggraffiti
In den USA ist diese Graffiti-Form schon seit den 1930er-Jahren bekannt und hat ihre Hochburg in Los Angeles. Anders als bei den Punkten davor, dient das Ganggraffiti hauptsächlich als gezielte Reviermarkierung der Banden und dienen zeitgleich auch als Warnung für andere Gangs, dass sie „feindliches“ Gebiet betreten. Beim Ganggraffiti wird, gegensätzlich zum Writing, kein Wert auf Ästhetik gelegt und auch nicht mit Bildern und Dekoration versehen.

Das Übermalen und Verunstalten von Ganggraffiti durch Mitglieder andere Gangs, sowie das Sprühen in „feindlichem Hoheitsgebiet“, wird manchmal auch bewusst eingesetzt, um einen Bandenkrieg anzustiften.

Pixação
Die spezielle Form der Graffiti-Gestaltung geht bis ans Ende der 1970er Jahre zurück und hat seinen Ursprung in São Paulo. Die Künstler (Pixadores) stammen meist aus den sehr armen Vororten der Millionen-Metropole. Sie haben meist nur noch ihr Leben zu verlieren und daher wagen sie sich in immer extremere Höhen, um ihre Schriftzüge anzubringen. Die oft mannshohen Zeichnungen sind überwiegend Frakturen, Runen, aber auch figürliche Darstellungen.

Ultras-Graffiti
Ultras-Graffiti sind den Ganggraffiti sehr ähnlich, da es Fußballfans sind, die ihre besuchten Orte mit Schriftzügen markieren. Die Zeichnungen sind tendenziell eher anspruchslos und dienen nur reinen Markierung, denn nicht selten sind die Fans der verschiedene Mannschaften untereinander verfeindet. In den Heimatorten der Fußballmannschaften findet man allerdings auch aufwändigere Wandmalereien mit Elementen der Streetart.

Streetart
Streetart ist englisch und bedeutet Straßenkunst. Der Begriff umfasst Graffiti, Stencils, Sticker, Plakatierung, sowie Installationen im öffentlichen Raum, die nicht mit dem Writing-Stil zu verwechseln sind.

Die Streetart-Künstler benutzen die verschiedensten Mittel, wie Marker, Pinsel, Malerrollen, Sprühdosen, Aufkleber, Poster, usw.. Als „Leinwand“ wir bei der Streetart eigentlich aller benutzt, was man sich vorstellen kann: meistens Wände und Stromkästen, aber auch Laternen, Verkehrsschilder, Telefonzellen, Mülleimer, Ampeln und andere Möbel in der Stadt. Sogar Bürgersteine, die Straße selbst und auch Bäume können als Untergrund herhalten.

Stencil/Pochoir
Bei dieser Graffiti-Methode wird eine Schablone erstellt, durch welche dann Farbe durch gesprüht werden kann. Oftmals werden mit dieser Methode Plakate von Politiker und generell politische Symbole und gesellschaftskritische Motive besprüht.

Graffiti auf Plakaten/Adbusting
Sehr weit verbreitet und auch schon sehr lange praktiziert ist die Methode, Graffiti auf Plakate zu malen, besonders wenn Personen auf diesen dargestellt sind. All-Time-Favorites sind dabei immer die guten alten Bärte, Hörner und Brillen – insbesondere zu Wahlkampfzeiten.

Eine spezielle  Form des Plakatgraffiti ist das Adbusting, eine Kritik an der Konsumgesellschaft, den irrealen Bildwelten der Werbefotografie und der von den Adbusters kritisierten „visuellen Umweltverschmutzung“ durch Plakate, da man sich so der Werbung nirgends mehr entziehen könne. Adbusters verfremden, überkleben und gestalten die Plakatwerbung, um den Sinn umzudrehen oder sich lustig zu machen. Häufig kommen die Künstler aus der Streetart-Szene und sind eine Art Kommunikationsguerilla.

Politische Graffiti
Die eher künstlerisch anspruchslosen Graffiti sind hauptsächlich dazu da, politische Ansichten und Kritik an Obrigkeiten anonym loszuwerden. Die Hauptthemen sind unter anderem Ideologie, religiöse Ansichten, Rassismus und auch Diskriminierung von Minderheiten, wie auch Homosexuelle, des Weiteren auch die politischen Machtverhältnisse durch Staat und Polizei. Um besonders viele Menschen mit der eigenen Meinung zu erreichen, werden politische Graffiti häufig an stark frequentierten und gut sichtbaren Orten angebracht.

Klograffiti
Der Begriff Klograffiti beschreibt sämtliche Kritzeleien, wie zum Beispiel Gedichte, Reime, Sprüche, Witze, Liebesbotschaften, Karikaturen und Zeichnungen, aber auch nur das Hinterlassen des bloßen Namens auf öffentlichen Toiletten. Die Sprüche haben philosophische, humorvolle aber auch sexuelle Inhalte und können auch an anderen öffentlichen Orten, wie stark frequentierten Sehenswürdigkeiten, Gefängnissen und Jugendherbergen zu finden sein. Im weiteren Sinne zählt auch das Ritzen von Herz und Namen in Baurinde als Klograffiti.

Zinken

Seit dem 16. Jahrhundert gibt es Zinken. Diese werden von Gaunern, Landstreichern oder auch dem fahrenden Volk an öffentlichen Orten  angebracht und dienen als Geheimsprache mit Gleichgesinnten. Sie sollen über die örtlichen Gegebenheiten informieren.

Reverse Graffiti
Anders als bei  Graffiti, wird beim Reverse Graffiti eine schmutzige Oberfläche mit Wasser, Seife, Bürste oder Hochdruckreiniger gereinigt und somit Muster und Schriften in den Dreck gespült. Writer aber auch Streeartists nutzen diese Form des Graffiti, aber auch immer mehr Privatleute und die Industrie nutzt diese Form des künstlerischen Ausdrucks, da man mit dieser bisher das Gesetz noch umgehen kann. diese bisher noch vom Gesetz umgangen werden kann.

LED-Throwies
Technik sei Dank braucht der moderne Graffiti-Künstler keine Farbe mehr. Batteriebetriebene Leuchtdioden werden an Magneten befestigt und dann auf metallene Oberflächen, meist in größerer Höhe, geworfen. Konkrete Inhalte oder Bilder lassen sich so nicht kreieren, dafür halten die Batterien rund zwei Wochen. Auch mit dieser Graffitiform, die rückstandslos entfernt werden kann, begibt man sich, auch auf mit Blick auf die Gesetzgebung, auf der sicheren Seite.

Grundsätzlich werden so gut wie alle Oberflächen besprüht oder bemalt, die sich in irgendeiner Weise dafür eignen, so wie Hausfassaden, Stromkästen, Brücke, Unterführungen, Züge, Schallschutzwände, Bauwagen, Busse, LKW und auch Verkehrsschilder.

Besonders in der Writing-Szene erreicht man ein höheres Ansehen, wenn man sich Stellen aussucht, die nur schwer zu erreichen oder zu bemalen sind. So haben beispielsweise eine, auf einem Hausdach befindliche Wand, ein ganzer Zugwagon, ein Einsatzfahrzeug der Polizei eine höhere Reputation, als eine Straßenunterführung. Gemessen wird aber auch die Qualität, sprich die Sauberkeit, der Stil, die Kreativität. Denn nur Quantität alleine reicht nicht für ein gehobenes Ansehen in der Graffiti-Szene. Eines der berühmtesten Objekte, die je durch Graffiti gestaltet wurden ist zweifelsfrei die Berliner Mauer.

Wer sind die Künstler?

07. Juli 2009

Ungeachtet der rechtlichen und gesetzlichen Aspekte, kann man jedes Graffiti als Kunstwerk bezeichnen. Jeder Künstler hat sich Gedanken gemacht und möchte etwas mit seinem Graffiti vermitteln. Allerdings ist auch nicht jedes Graffiti gleich ein gelungenes Kunstwerk. Aber es gibt in jeder der verschiedenen Formen Meister auf ihrem Gebiet, die aus jedem Graffiti ein wahres Kunstwerk machen können. Eine richtige Bewertung, wer nun wirklich ein Künstler ist, oder eher noch Schüler, ist nur die Mitglieder in der Graffiti-Szene von Relevanz.

Als einer der Ersten, erkannte der, damals noch Soziologiestudent, Hugo Martinez, dass die Bedeutung der Graffiti-Kultur in den folgenden Jahren immer größer werden wird. Im Jahr 1972 gründete er dann die UGA – die United Graffiti Artists. Diese Gründung führte sehr schnell zu einer, wenn auch noch nicht ganz reifen, Anerkennung der Subkultur und der Werke. Seit dieser Zeit werden auch Graffiti-Künstler in Galerien ausgestellt und einige Werke auch „offiziell“ als Kunst bezeichnet.

Einige Künstler haben es aber auch geschafft, sich weltweiten Ruhm zu verschaffen und sind nun mit ihren diversen Leinwänden und Skulpturen in den renommierten Galerien ausgestellt. Mittlerweile gibt es sogar recht viele Galerien, die sich speziell auf Graffiti und Streetart spezialisiert haben. Zahlreiche Writer können heute auch ihr Wissen und ihre kreativen Erfahrungen in der Designbranche und auch in der Werbung einbringen – nicht wenige unter ihnen können auch sehr gut davon leben. Viele Sprayer wollen nun ihrer Zeit der Illegalität hinter sich lassen und „ihr Hobby zum Beruf machen“.

Als einer der bekanntesten Streetartists zählt zweifelsohne Banksy. Der, vermutlich Mitte der 1970er Jahre in Bristol (Großbritannien) geborene Banksy, versucht seinen Namen geheim zu halten.

Mit seinen Werken und Installationen möchte er auf eine alternative Sichtweise auf politische, sowie wirtschaftliche Themen und Missstände hinweisen. Dies macht er, indem er bekannte Motive verändert und ihnen einen neuen Sinn gibt. Darüber hinaus hat Banksy auch schon Auftragsarbeiten, wie zum Beispiel von Greenpeace, bekommen.

Die größte Aufregung und Aufmerksamkeit bekommt Bankys allerdings immer auf anderem Wege: Er hängt seine Werke einfach ungefragt in weltbekannte Museen und Galerien, wie dem Londoner Tate Modern, New Yorker Museem of Modern Arts, dem Metropolitan Museum of Art, dem Brooklyn Museum, dem American Musuem of Natural History und sogar dem Louvre. Highlights bei diesem illegalen Vorgehen waren beispielsweise im Mai 2005 das Aufhängen einer „Höhlenmalerei“ im British Museum, die einen jagenden Menschen mit Einkaufswagen darstellt. Im September 2006 stellte Banksy die Figur eines Guantanamo-Häftlings in eine Attraktion in Disneyland und darüber hinaus verteilte er 500 Kopien des neuen Albums von Paris Hilton, auf denen er das Cover ersetze. Sein Cover zeigte Paris Hiltons Körper auf einem Hundekörper.

Prävention ist der beste Schutz vor Graffiti

07. Juli 2009

Illegale Graffiti verbreiten sich immer mehr in den Städten. Es gibt allerdings präventive Möglichkeiten, den öffentlichen Raum vor Sprayern zu schützen.

Ein schnelles Reinigen von häufig bemalten Flächen demonstriert Macht über die Sprayer und mindert den Anreiz für aufwändige Arbeiten. Allerdings kann es dann dazu kommen, dass, auch wenn sie unbeliebt sind, keine künstlerisch gestalteten Bilder die Wand schmücken, sondern nur noch Gekritzel und Schmierereien.

Eine Überwachung mit Kameras hat zwei wesentliche Vorteile: zum einen wirkt eine Kamera erst einmal abschreckend, und auch wenn man eine Bemalung nicht 100%ig verhindern kann, kann man zweitens anhand des Bildmaterials der Überwachungskamera Personen leichter identifizieren. Darüber hinaus kann man beliebte Ziele von Graffiti durch Wachpersonal, Bewegungsmelder, Stacheldraht oder einfach hellere Lichter ausstatten.

Abschreckend wirkt natürlich auch eine konsequente und dabei nicht unbedingt glimpfliche gesetzliche Verfolgung der illegalen Sprayer.

Hilft dies alles nicht, können leicht zu reinigende Oberflächen, wie zum Beispiel Emaille angebracht werden. Auch Schutzschichten auf Hausfassaden können helfen, mindestens beim Entfernen der Graffiti keine wesentlichen Schäden am Putz zu hinterlassen. Große Freiflächen  vor Gebäuden können auch sehr gut bepflanzt werden, um so die große Fläche unattraktiv für Sprayer zu machen.

Ein ganz wesentlicher Punkt ist aber, dass Freiflächen speziell für legales Graffiti zur Verfügung gestellt werden. Auch helfen offizielle Wettbewerbe in der Stadt und auch die Gestaltung von öffentlichen Flächen und Einrichtungen durch Sprayer, das illegale Bemalen und Besprühen zu verhindern.

Ist ein Graffiti erst einmal auf der eigenen Hauswand, dann lässt es sich am besten entfernen, indem man die Wand etwas anschleift, dann mit Aceton darüber wischt. Ist die Farbe allerdings schon so tief ins Mauerwerk eingedrungen, dass nur noch ein Überstreichen möglich ist, ist es dennoch ratsam, die Wand vorher ebenfalls mit Schleifgerät und Aceton zu behandeln.